Singles’ Day – aus dem Leben eines Langzeitsingles

Singles’ Day – aus dem Leben eines Langzeitsingles

Hey ihr Lieben,

Heute geht es mal nicht um Bücher, okay, zumindest nicht hauptsächlich. Denn eigentlich hat mich ein Buch, das ich gerade gelesen habe, dazu verleitet, heute über das Singleleben zu schreiben.

Welches Buch das war, mögt ihr euch fragen? Das verrate ich euch sofort.

Für viele ist der heutige Tag vor allem eines: der Beginn der Karnevalszeit. Doch nicht für mich, denn anders als Yunika wohne ich nicht in Köln und kann dem auch einfach nichts abgewinnen.
Sorry dafür an alle Kölner und Karnevalsliebhaber.

Gemeinsam mit einer Freundin, der lieben Anastasia, habe ich gerade das Buch Herz im Schneegestöber von Anna Fischer beendet.
Schon zu Beginn des Buches, gibt es zwei Textstellen, die mir aus der Seele gesprochen haben und bei denen ich dachte: Das trifft es einfach perfekt.

Der leer gebliebene Sitzplatz zu meiner Rechten erschien mir wie ein Symbol für mein Gefühl, in Sachen Liebe Vorstellungen zu haben, die keiner mehr erfüllen wollte. Besonders in diesen Tinder-Date-, Partnertauschbörsen-, Freundschaft-Plus- und Seitensprung-Plattform-Zeiten der Generation Beziehungsunfähig 2.0 wirkte ich mit meiner monogamen Einstellung wie ein Relikt aus den verblümt-verkitschten 1950er-Jahren.

Herz im Schneegestöber von Anna Fischer, S. 8 (Werbung, Rezensionsexemplar)

Wenn ich mich so umschaue, dann habe ich wirklich das Gefühl, dass die Autorin damit absolut recht hat.

Als Single bekommt man da ganz schön viel mit, was andere vielleicht nicht sehen.
Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich schon von vergebenen oder sogar verheirateten Männern angesprochen oder angeschrieben wurde, die in ihren Beziehungen nicht glücklich zu sein scheinen und meinen, sich einfach heimlich nebenbei noch was aufbauen zu können.
Sorry, Jungs, aber nicht mit mir. Wer will denn schon zweite Wahl sein? Und halloooo, denkt ihr mal an eure Frauen oder Freundinnen?
Wenn ihr es schon nicht tut, dann ich dafür umso mehr. So sollte mit keiner Frau umgegangen werden.
Natürlich will ich damit nicht sagen, dass nur Männer sich so verhalten. Sicherlich gibt es auch Frauen, die so handeln, aber das bekomme ich dann ja nicht mit.

Warum bist du Single?

Diese Frage wird mir oft gestellt und ganz ehrlich? Fragt mich etwas Leichteres!

Es gibt viele Gründe, die ich sicherlich nennen könnte:

  • Der Richtige war nicht dabei.
  • Ich kann tun und lassen, was ich will.
  • Mein Glück mache ich nicht von einer Beziehung abhängig.
  • Vielleicht, ja vielleicht ist mir das Risiko auch zu groß, enttäuscht zu werden.
  • Oder wie der Sänger Omarion so schön sagt: “I got this icebox where my heart used to be.”

Doch am allermeisten denke ich, dass ein Partner im Leben einfach nicht alles ist, was man unbedingt haben sollte. Es gibt Dinge, die viel wichtiger sind. Das heißt nicht, dass ich mein Leben lang allein bleiben möchte, aber warum sollte ich etwas erzwingen?

Kennt ihr diese Menschen, die sich von einer Partnerschaft in die nächste stürzen? Die niemals lange allein bleiben können?

In der heutigen Gesellschaft wird einem Single das Gefühl vermittelt, dass etwas mit einem falsch läuft, wenn man allein bleibt. Als hätte man eine Krankheit – höchstwahrscheinlich auch noch ansteckend.
ACHTUNG, kommt mir nicht zu nah, denn ich könnte euch infizieren!

Herrje…

Freundinnen und Bekannte fragen mich, warum ich denn so lange Single bin. Und nicht selten höre ich dabei Sätze wie: Bist du zu anspruchsvoll? Vielleicht hast du einfach zu hohe Erwartungen! Melde dich doch bei Tinder an. Bist du überhaupt glücklich allein? Fehlt dir nicht etwas?

Dabei war ich nicht einmal besonders anspruchsvoll. Er musste ein gutes Herz haben, meiner Seele nahekommen und die gleichen Wertvorstellungen haben.

Herz im Schneegestöber von Anna Fischer, S. 9 (Werbung, Rezensionsexemplar)

Tja, was soll ich dazu schon noch großartig sagen?
Bin ich zu anspruchsvoll? Ich denke nicht. Was ist überhaupt zu anspruchsvoll?
Erwartet man zu viel, wenn man einfach nur wahrhaftig geliebt werden und nicht teilen möchte?
Ist mein Glück wirklich davon abhängig, ob ich einen Partner an meiner Seite habe oder nicht?

Von Männern dagegen, die mich auf mein Singleleben ansprechen, kommen dann eher so Sätze wie: Ich kann gar nicht verstehen, dass du noch Single bist, du bist doch so hübsch. Also wenn ich nicht vergeben wäre, …

Den Rest erspar ich euch lieber, denn so einiges wäre absolut nicht jugendfrei.

Um es kurz zu machen: Man bekommt das Gefühl vermittelt, ohne Partner nichts wert zu sein. Als sei man nicht vollständig. Als hätte man einen Fehler im System.

Aber ich möchte hier nun nicht endlos schwafeln, sondern gern eure Meinungen und Erfahrungen dazu hören.

Wie ist es bei euch?

Habt ihr als Single ähnliche Erfahrungen machen müssen? Oder erlebt ihr das ganz anders?
Oder falls ihr in einer Beziehung seid: Meidet ihr Singles und macht lieber was mit anderen Paaren? Und falls ja, warum?

Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen.

Eure Areti


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Fotos: Areti

2 Gedanken zu „Singles’ Day – aus dem Leben eines Langzeitsingles

  1. Ach Mäuschen, nein dafür mache ich dich nicht fertig. 😉
    Das hast du alles sehr schön geschrieben. Ich muss ehrlich sagen, als ich Single war, war ich das nie sehr lange. Nicht weil ich mir auf der Stelle gleich jemanden gesucht habe, das habe ich eigentlich nie, sondern weil es sich einfach so ergeben hat. Ob jemand Single oder vergeben ist, ist mir vollkommen egal, das war so als ich noch Single war und nun als verheiratete Frau genauso. Mein Partner und ich haben Freunde, die ebenfalls vergeben sind, aber auch genug Singles. Mir ist das vollkommen egal. Und ja ich muss gestehen, dass ich auch mindestens einmal frage, warum derjenige Single ist. Anders als die meistens die ich kenne, bist du aber nicht unglücklich damit und gehst jedem auf den Senkel damit. 😀 Ich wünsche dir alles Liebe und hoffe, dass eines Tages du deinen Adam triffst und es perfekt wird. Schöne Grüße aus dem kalten Bayern. 🙂 Ich hoffe du kannst meine mentale Umarmung spüren.

  2. Ein sehr guter Text! Die Zitate finde ich absolut zutreffend und sprechen auch mir als männliches Wesen aus der Seele. Die ständige Verfügbarkeit von allem, auch von Sex, führt dazu, dass sich viele nicht mehr festlegen wollen/müssen/können. Und die Leute, die nicht nur auf der Suche nach einem schnellen Vergnügen sind, sondern sich etwas ernstes und langfristiges mit gegenseitigem Respekt und der Vorstellung auf eine gemeinsame Zukunft (wie lang die dann auch immer sein mag) wünschen, die lösen sich immer mehr von diesem Wunschdenken, da die Wahrscheinlichkeit einfach zu hoch ist, dass man von Leuten aus der anderen Gruppe verletzt wird. Es sollte deutlich werden, dass ich nix von irgendwelchen Plattformen halte und sie auch nicht nutze.
    Ich werde auch öfter darauf angesprochen, ob ich denn mittlerweile ‘endlich’ wieder vergeben wäre und kann auch bestätigen, dass es oft so wirkt, als wäre es äußerst schlimm, wenn man keinen Partner/keine Partnerin hat und dann auch noch in meinem Alter. So schlecht lebt es sich als Single nun wirklich nicht. Es gibt sogar wirklich viele Vorteile, wenn man das Ganze nüchtern betrachtet. Das heißt nicht, dass ich mir nicht wünsche, irgendwann wieder eine bessere Hälfte zu haben. Und wenn es in zwei Wochen ist; fein! Und wenn es in zehn Jahren ist, dann ist das genau so gut. Ich möchte nur jemanden haben, dem ich blind vertrauen kann und von dem ich *Achtung Zitat und Kitsch an* “wahrhaftig geliebt” werde. Und wenn das seine Zeit dauert, dann dauert es eben seine Zeit.
    Ich hoffe, das war jetzt nicht nur eine Wiederholung dessen, was schon oben steht.
    Ich hoffe für dich, dass du glücklich wirst, egal ob das mit oder ohne Partner ist, aber bin mir dessen auch relativ sicher 😉

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